Zukunftsmusik

Teil 1: Der analoge Anker für unser „Steinzeit-Gehirn“

Warum der Proberaum das beste Gegenmittel zur Reizüberflutung ist

 

Wir alle kennen das Bild: Jugendliche (und auch wir Erwachsene), die stundenlang auf Bildschirme starren, von einer App zur nächsten wischen und ununterbrochen mit Push-Nachrichten bombardiert werden. Der Neuropsychologe Lutz Jäncke bringt das Problem auf den Punkt: Wir muten unserem biologisch alten "Steinzeit-Gehirn", das sich in den letzten 150.000 Jahren kaum verändert hat, eine extrem reizüberflutete digitale Welt zu, auf die es evolutionär gar nicht vorbereitet ist.

 

Die ständige mediale Dauerbeschallung fordert ihren Tribut, insbesondere bei Jugendlichen, deren Stirnhirn – das Zentrum für Impulskontrolle und Selbstdisziplin – noch in der Entwicklung steckt. Besonders das sogenannte Multitasking – der Versuch, in der digitalen Welt viele Dinge gleichzeitig zu tun – verbraucht enorme geistige Ressourcen und führt zu Erschöpfung.

 

Hier setzt die musikalische Grundbildung an: Das Erlernen eines Blasinstruments oder von Schlagzeug ist ein zutiefst analoger Prozess. Es zwingt den Geist, sich über längere Zeit auf eine einzige, komplexe Sache zu konzentrieren, anstatt ständig zwischen Reizen hin- und herzuspringen. Wer ein Instrument lernt, trainiert seine Frustrationstoleranz und lernt, dass sich Anstrengung und Wiederholung lohnen. Für Kinder und Jugendliche bietet der Musikverein somit ein geschütztes, analoges Umfeld, in dem reine Aufmerksamkeit trainiert wird.

 

Diskussionsanregung für den Verein: Wie können wir in unseren Jugendmusiken bewusst "digitale Auszeiten" schaffen und den Fokus auf das tiefe, konzentrierte Arbeiten an der Musik stärken?

Teil 2 erscheint im nächsten Newsletter